Popakademie Mannheim

Das „UND“ im POP

© Pierre Hansen

Persönlichkeitsentwicklung als Unterrichtsmodul der Popakademie Mannheim


Bei der Konzeption des Masterstudiengangs Popular Musik der Popakademie Mannheim war es dem Leiter Prof. Udo Dahmen ein wichtiges Anliegen, Frei-, Entwicklungs- und Erfahrungsräume für die Studenten zu schaffen, die bei der Potentialentfaltung im kreativen Suchprozess unterstützend sein können. Im Mittelpunkt dieses Moduls steht das Anliegen einer umfangreichen Weiterqualifizierung des Studierenden im Sinne einer Differenzierung und Erweiterung seiner kreativen, kommunikativen, performativen Fähigkeiten und seiner persönlichen, zwischenmenschlichen Kompetenzen. Persönliches Wachstum wird neben dem Findungsprozess als eigenständiger Künstler auch als ein „Erwachsenwerden“ angesehen, das ein konstruktiveres Umgehen z. B. mit Stress, Erfolg und Misserfolg und deren Bewertung ermöglicht. Auch die Verfügbarkeit von kommunizierbarer Metaebene ist ein Lernziel. Diese Fähigkeit zur Reflektion bzw. distanzierten Beobachtung auf der Basis vermittelter Methoden, psychologischer Sichtweisen unterschiedlicher Schulen (VT, PA, NLP, Gestalttherapie etc.) kann eine Wechselwirkung zwischen künstlerischer Entwicklung und einem persönlichen Reifungsschritt bewirken.

Beispiel:


Der Umgang, das Erkennen eines Kritiker-Anteils, der kreativ hemmend wirkt, – z. B. in Form einer perfektionistischen Erwartungshaltung (Zitat eines Studenten: „ich entwerte ständig meine Ideen, weil sie meinen Ansprüchen nicht genügen und deshalb bekomme ich keinen Song fertig“), die einen kreativen Output durch negative Vergleichs- und Entwertungsprozesse erschwert oder verhindert – ermöglicht einen Zuwachs an Erlebens- und Verhaltensmöglichkeiten. Die Entmystifizierung eines solchen Begriffes – z. B. durch das Erkennen der Perfektion als Selbstschutz einer in der Nähe erlebten Verletzung, als leidvolles adaptives Verhaltensmuster, das letztlich das Gefürchtete und Beängstigende konstituiert, nämlich: angreifbar zu sein, beispielsweise aufgrund von Fehlern durch Ermüdung oder durch das Scheitern an zu hohen Perfektionsansprüchen – kann als ein Lernziel innerhalb des beschriebenen Studiengangs angesehen werden. Die Differenzierung, also auch die Wertschätzung positiver Effekte des bisher erlebten Perfektionismus zu erkennen und ohne negative Effekte zu nutzen, ist eine Grundhaltung.

 

Das Aufzeigen von Verhaltensmöglichkeiten kann zum Beispiel durch Reframingprozesse geschehen. Die im Perfektionismus implizierten Begriffe wie Sorgfalt, Leidenschaft, Hingabe, Einsatz und Anstrengung erfahren eine Neubewertung und können nun konstruktiv genutzt werden. In einem dynamischen Selbstverständnis sind Einsatz und Anstrengung wichtige Komponenten, um Erfolg und Misserfolg konstruktiv zu erfahren. Hat ein Musiker den vollen Umfang einer ihm möglichen Anstrengung vollbracht und dies mit Begeisterung getan, so ist dies schon ein Selbst- bzw. ein persönlich definiertes Erfolgserlebnis, das es ihm ermöglicht, mit Rückschlägen anders umzugehen. Er sieht den Erfolg oder Misserfolg nicht fremdbestimmt, sondern kann dem Rückschlag das Erleben der eigenen Leistung und die damit verbundene Kompetenzerfahrung als korrigierendes Momentum entgegensetzen. Dies kann als Kriterium wachsender Selbstakzeptanz bzw. Liebe und die Gesundheit erhaltender Faktor (Salutogenese) angesehen werden, was wiederum einem gesamtgesellschaftlichen Anliegen entspricht.

Im Mittelpunkt steht die Künstlerpersönlichkeit mit ihren aktualisierten und latenten Potentialen. Psychologische Kenntnisse, Konzepte und Modelle sollen dem Musiker dazu dienen, eigene Erfahrungen auf einer eventuell befreienden, psychoedukativen Metaebene reflektieren zu können, einzuordnen und in Selbstverantwortung eigene neue Lösungswege zu finden. Gleichzeitig dienen diese Modelle als Transfermodelle als Common-sense-Modelle, so dass eine gemeinsame Diskurssprache hilfreich sein kann im Austausch mit anderen.


Es wird Wert darauf gelegt, diese Theorien als Annäherung, als Modelle zu verstehen. Methodenvielfalt – auf gleichwertige Vermittlung unterschiedlicher, anerkannter, psychologischer Schulen wird geachtet – sollen den Studierenden unterschiedliche Zugänge ermöglichen. Im Mittelpunkt steht die Validierung des Vermittelnden durch den Studenten; auf dessen Kompetenz, dessen Selbstaktualisierungskräfte wird vertraut. Es wird auch bewusst darauf verzichtet z.B. Künstlerpersönlichkeiten zu pathologisieren z.B. im Sinne einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Diese Kategorisierung wird einem künstlerischen Prozess nicht gerecht. Die Vielfalt, die Gleichzeitigkeit der Phänomene, das „UND“ im Pop, ist der Spielraum für den die Popakademie den Rahmen geben will.

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© URBAN ELSÄSSER Musiker, Dipl. Psychologe